Dr. Maria Montessori — Ihr Leben und Werk, Teil 1/3

Hast du dich schon einmal gefragt, wer Dr. Maria Montessori eigentlich war? Was sie erreicht hat und wie sie die Montessori-Methode entwickelt hat? Heute beginnen wir unsere dreiteilige Reise durch Dr. Maria Montessoris Leben und Werk.
Dr. Maria Montessori — eine Frau, die die Welt des Kindes für immer veränderte; eine Frau, die von vielen verehrt und von noch mehr missverstanden wurde. Auf der ganzen Welt hat sie Menschen mit der „Montessori-Methode" begeistert, einer wirklich faszinierenden wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der menschlichen Entwicklung. Aber wie wurde sie zu der Frau, die Kindern die Möglichkeit gab, so zu lernen, wie die Natur es vorgesehen hatte? Woher kam ihr Interesse an der Auto-Education? Wie entwickelte sie die Kraft und den Willen, jeden Tag für das Kind einzustehen? Um diese faszinierende, starke und weitsichtige Frau und Wissenschaftlerin wirklich zu verstehen, müssen wir einen Schritt zurücktreten und ihr Leben genauer anschauen.
Alles begann am 31. August 1870 in Chiaravalle, Italien. Es war eine Zeit des Wandels. Italien hatte sich gerade erst vereint, und es herrschte viel Aufbruchsstimmung. Dr. Maria Montessoris Eltern, Alessandro und Renilde, erkannten schnell, dass ihr Kind einen unbändigen Wissensdurst hatte. Als Maria fünf Jahre alt war, zogen sie nach Rom, damit sie eine bessere Bildung erhalten konnte, als ihre Heimatstadt bieten konnte. Sie war von Anfang an voller Leidenschaft fürs Leben; schon früh interessierte sie sich für Ingenieurwesen, dann immer stärker für Biologie.
Schliesslich beschloss sie, Medizin zu studieren. Das war allerdings leichter gesagt als getan. Es war ein langer, harter Weg. Frauen durften damals kein Medizinstudium aufnehmen. Nachdem ihr mehrere Universitäten den Zugang verwehrt hatten, wandte sie sich an Dr. Bacelli, den Leiter der Bildungsfakultät — der ihr ebenfalls sagte, eine Einschreibung als Medizinstudentin sei nicht möglich. Als sie sein Büro verliess, sagte sie sehr ruhig und höflich: „Ich weiss, ich werde Doktorin der Medizin werden" — und mit Entschlossenheit und etwas Unterstützung vom Papst gelang es ihr schliesslich.
Der Alltag als Medizinstudentin in den Fluren der Universität Rom war alles andere als einfach. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen: Sie wurde nicht gut behandelt, Regeln mussten geändert werden, und die Bedingungen waren schwierig. Maria hatte stets den Rückhalt ihrer Mutter; Alessandro, ihr Vater, missbilligte ihre Entscheidungen und stiess sie aus. Trotzdem machte Maria weiter, gewann Stipendien und verdiente sich den Respekt ihrer Mitstudierenden. 1896 schloss sie als Klassenbeste ab und wurde zur ersten Ärztin Italiens. Es folgte eine Versöhnung mit ihrem Vater, der stolz zu ihrer Abschlussfeier erschien.
Als erste Ärztin des Landes wurde Dr. Montessori eingeladen, beim ersten Internationalen Frauenkongress in Berlin zu sprechen — über die Rechte berufstätiger Frauen, gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, das Wahlrecht und Bildung. Danach arbeitete Dr. Montessori zwei Jahre lang als Assistenzärztin in einer psychiatrischen Klinik. Ihre Aufgabe war es, Heime für Kinder mit Behinderungen aufzusuchen. Das war ihre erste Begegnung mit Kindern. Als sie einen kahlen Raum betrat, der nur mit Tischen und Stühlen eingerichtet war, traf sie der Anblick der schlechten Bedingungen tief. Die Krankenschwestern beschwerten sich über die Kinder; eine von ihnen erzählte Dr. Montessori angewidert, dass die Kinder nach den Mahlzeiten auf dem Boden nach Krümeln suchten.
Nachdem sie die Kinder beobachtet hatte, kam sie zu einem anderen Schluss: Ihr Verlangen nach den Krümeln war kein Ungehorsam — es war der Wunsch, etwas mit den Händen zu greifen und zu handhaben. Je mehr Zeit sie mit den Kindern verbrachte, desto mehr war sie überzeugt, dass sich ihr geistiger Zustand mit der richtigen Art von Bildung erheblich verbessern liesse.
Um mehr zu lernen und den Kindern zu helfen, reiste Dr. Montessori nach Paris, um die Werke von Jean-Marc Itard und Édouard Séguin zu studieren. Beide hatten schon früher mit Kindern mit besonderen Bedürfnissen gearbeitet, und sie nutzte die Gelegenheit, aus ihren Erkenntnissen zu schöpfen. Zurück im Heim verbrachte Maria den ganzen Tag mit den Kindern und experimentierte mit Materialien, die ihre Sinne anregten. Abends schrieb sie ihre Beobachtungen auf, reflektierte und bereitete neues Material vor.
Dr. Montessori glaubte an ihre Kinder. Als die staatlichen Prüfungen für Kinder im Grundschulalter anstanden, schickte sie ihre Kinder zur Prüfung. Wieder überraschte Dr. Montessori die Öffentlichkeit. Einige ihrer Kinder mit besonderen Bedürfnissen bestanden mit gleichen oder sogar besseren Noten als Kinder aus „normalen" Schulen. Von einem Tag auf den anderen wurde sie als Wundertäterin gefeiert.
Ihr Interesse an der Hirnentwicklung wuchs, und nach der Geburt ihres Sohnes Mario im März 1898 begann sie ihr zweites Studium in Psychologie und Anthropologie.
1906, infolge des raschen industriellen Wandels und der schwierigen Wohnsituation in Italien, versuchte eine Gruppe von Menschen, die sich „Bürger des guten Willens" nannte, die Slums Roms zu verbessern, und begann mit dem Bau von kommunalen Wohnkomplexen. Rund 50 Häuser wurden saniert. Wer dort leben wollte, musste bestimmte Voraussetzungen erfüllen — zum Beispiel berufstätig sein. Das brachte natürlich die Frage der Kinderbetreuung für die unter Sechsjährigen mit sich. Man entschied, dass die Kosten für die Betreuung geringer sein würden als die Schäden, die unbeaufsichtigte Kinder verursachen könnten. Eine neue Lösung musste her.
Angesichts ihrer bisherigen Erfolge wurde Dr. Montessori gebeten, sich um die Kinder zu kümmern. Sie sah in diesem Vorhaben die Chance, ihre Theorien mit Kindern aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen zu erproben.
Dr. Montessori räumte die vorhandenen Möbel weg und eröffnete — mit viel tatkräftiger Hilfe — eine Schule, die anders war als alles, was die Welt bisher gesehen hatte. Die Tische und Stühle waren kindgerecht gebaut, kleine Sessel luden zum Ausruhen ein, und einige von ihr vorbereitete Lernmaterialien füllten den Raum.
Am 6. Januar 1907 wurde die erste „Casa dei Bambini" im kommunalen Komplex in der Via dei Marsi 58 in San Lorenzo, Rom eröffnet.
Und so begann es — nur sie, eine Frau, die ihr zur Seite stand, und 60 verängstigte, unterernährte Kinder.
Herzlich,
Ms. Zoe