Dr. Maria Montessori — Ihr Leben und Werk, Teil 2/3

Wir setzen unsere Reise fort und entdecken gemeinsam mehr über Dr. Montessoris Leben und Werk — heute geht es um Teil zwei.
Nachdem sie endlich ihre erste Montessori-Schule eröffnet hatte, warteten auf Dr. Maria Montessori neue Herausforderungen und wertvolle Lernerfahrungen.
Schon im ersten Jahr durfte Dr. Montessori die erstaunlichsten Veränderungen bei den Kindern miterleben. Das Material, das zunächst vor allem auf Übungen des täglichen Lebens und sinnesschulende Übungen ausgerichtet war, erwies sich als ungemein wertvoll. Es begeisterte die Kinder; sie arbeiteten aus eigenem Antrieb, ihre Körpersprache veränderte sich, und sie zogen die Arbeit — also das zweckvolle Tun — dem Spielen vor.
Dr. Montessori traute ihren Augen kaum, als sie sah, wie ein dreijähriges Mädchen die Welt um sich herum auszublenden schien und mit grösster Freude und Konzentration mit hölzernen Zylindern arbeitete. Nichts konnte sie ablenken. Sie wiederholte die Übung zweiundvierzig Mal. Nach dieser langen Phase ungestörter Aufmerksamkeit schaute die Dreijährige schliesslich auf — und wirkte erholt, nicht erschöpft. Es war ihr ganz eigenes Interesse, das sie immer und immer wieder zu dieser Übung zurückgeführt hatte, bis sie das Gefühl hatte, ihr Bedürfnis sei erfüllt.
Für Dr. Montessori war es schwer zu fassen, was sich da vor ihren Augen entfaltete.
„Es brauchte Zeit, mich davon zu überzeugen, dass dies keine Illusion war … So blieb ich lange ungläubig, und zugleich tief bewegt und besorgt."
Doch ihr Staunen hörte damit nicht auf; jeden Tag beobachtete sie neue Veränderungen. Die Kinder zeigten ein ausgeprägtes Bedürfnis, Dinge selbstständig an ihren angestammten Platz zurückzubringen — eine Liebe zur Ordnung, die sich nur in einem ganz bestimmten Lebensabschnitt so zeigt. Damals begann Dr. Montessori, Hugo De Vries' Theorie der sensiblen Phasen — ursprünglich für Tiere entwickelt — auf den Menschen zu übertragen.
Bald darauf beschrieb sie die sechs sensiblen Phasen für Kinder von null bis sechs Jahren: Bewegung, Sprache, Ordnung, sinnesschulende Erforschung, soziale Entwicklung und das Interesse an kleinen Objekten. Sie erkannte, dass Kinder ihrem natürlichen Weg nur dann wirklich folgen und die sensiblen Phasen voll ausschöpfen konnten, wenn sie in einer vorbereiteten Umgebung die freie Wahl der Aktivität und die Freiheit der Bewegung hatten. Die Kinder überraschten sie immer wieder — mit spontaner Selbstdisziplin, tiefer Konzentration, dem Drang zur Wiederholung, einer Liebe zur Stille und einem neu erwachten Gefühl von Würde.
Später baten Eltern Dr. Montessori, den Kindern Lesen und Schreiben beizubringen. Obwohl sie zunächst nicht ganz sicher war, ob das für unter Sechsjährige angemessen sei, liess sie sich darauf ein: Sie begann, Wörter zu analysieren, und bereitete Material vor, das den Kindern helfen sollte, Buchstabenlaute zu erfassen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Kinder von sich aus anfingen zu schreiben. Niemand hatte ihnen gezeigt, wie — sie waren Schritt für Schritt von einer Entwicklungsstufe zur nächsten gewachsen und hatten dabei sowohl ihre Feinmotorik als auch ihr Verständnis der Buchstabenlaute verfeinert. Aus freiem Willen übten sie, bis sie persönlich vollauf zufrieden waren. Auf die Explosion des Schreibens folgte die Explosion des Lesens.
Menschen aus aller Welt kamen, um die Schule zu besuchen. Sie alle wollten das Wunder mit eigenen Augen sehen, das Dr. Montessori vollbracht hatte — diese neue Methode, die Kindern aus den Armenvierteln zeigte, wie sie sich solches Wissen aneignen konnten. Kinder arbeiteten in einer vorbereiteten Umgebung mit freier Wahl, um ihre Persönlichkeit ganz zu entfalten. Pädagoginnen und Pädagogen, Adlige, Journalistinnen und Journalisten oder einfach neugierige Menschen kamen von allen Kontinenten, um die Casa dei Bambini in Rom zu erleben. Die Zeitungen waren voll mit Berichten und Bildern der Wunderschule.
Herzlich,
Ms. Zoe