Warum sind wir charakterfrei?

Wenn dein Kind mit einem Paw-Patrol-Rucksack oder einer Frozen-Brotdose in die Schule kommt, ist es schwer zu verstehen, wo da der Schaden sein soll. Kinder lieben Zeichentrickfiguren und Charaktere — sie identifizieren sich mit bestimmten Persönlichkeiten und Geschichten, und das ist völlig verständlich. Auch wenn Vorstellungskraft, Musik und kreatives Spiel bei uns ihren festen Platz haben, bitten wir dich trotzdem, dein Kind ohne Charaktere in die Schule zu schicken.
Der wichtigste Grund: Charaktere — vor allem solche aus erfolgreichen Filmen oder breit vermarkteten Projekten — lenken Kinder erheblich ab. Sobald jemand mit einem Pullover ins Klassenzimmer kommt, auf dem eine bekannte Figur prangt, werden die anderen Kinder unweigerlich darüber reden — und schon ist die Konzentration aller unterbrochen.
Dazu kommt: Die Realität bietet genug Stoff zum Entdecken. Denk einmal daran, wie reich die Welt um uns herum ist, und bedenke, dass kleine Kinder noch dabei sind, alles über ihre Sinne aufzunehmen — zu ordnen und zu sortieren, was sie sehen, hören und fühlen.
Die Natur steckt voller Wunder, zum Beispiel der Affenschwanzbaum oder der Glasflügler — und diese Lebewesen gibt es wirklich! Für ganz kleine Kinder kann schon ein Bach mit rauschend kühlem, blauem Wasser eine überwältigende Erfahrung sein. Mit Honigbienen ist es genauso. Kinder können ihre ganze Aufmerksamkeit darauf verwenden, das aufzunehmen, was real ist — und genau das ist ein entscheidend wichtiger Teil ihrer Arbeit in diesem Alter.
Ist es in Ordnung, echte Tiere auf der Kleidung zu tragen? Unbedingt! Ein Kleid mit einer aufgestickten Ente oder Socken mit Bärenmotiv spiegeln Natur und Realität wider — das passt wunderbar.
Wie bringen wir Kindern von 0 bis 6 diese Realität sonst noch nahe? Die Bücher, die wir ihnen zeigen, bilden die Wirklichkeit ab. Wir wählen zum Beispiel Bücher, in denen Menschen Auto fahren und Rehe durch den Wald streifen — keine Bücher, in denen Rehe Auto fahren und dabei einen Smoking tragen.
Später, in der Primary-Phase, lesen wir auch Märchen und andere Literatur, um die Vorstellungskraft zu erweitern, die Kreativität zu fördern und den Wortschatz zu bereichern — aber erst dann, wenn die Kinder bereits ein solides Fundament aufgebaut haben. In diesem Alter können sie viel besser unterscheiden, was real ist und was nicht — deutlich besser als Zwei- und Dreijährige.
Auch durch multimediale, handwerkliche Kunst fördern wir ihre Kreativität. Wir bieten ihnen eine bewusst ausgewählte Anzahl geometrischer Formen und Farben an — sozusagen „Schlüssel zum Universum" ihres sinnlichen Wissens — und geben ihrer künstlerischen Ader so Raum, Wurzeln zu schlagen.
Was kannst du tun, wenn dein Kind Charaktere in der Schule tragen möchte? Heb sie für Feiertage oder das Wochenende auf. Schlag für einen Schultag zwei Alternativen vor — etwa eine rot-weiss gestreifte Jacke oder eine schwarze Jacke mit einem Schwanenbild. So bekommt dein Kind Freiheit innerhalb von Grenzen, kann seinen Willen schrittweise entwickeln und trifft Entscheidungen, mit denen auch du dich wohlfühlst.
Das Fazit ist einfach: Unsere Welt ist fantastisch genug, und wir haben das schöne Privileg, sie gemeinsam mit den Kindern zu erkunden. Jetzt ist die Zeit, sie mit ihrer Umgebung so zu verbinden, dass echte Neugier auf die natürliche Welt entsteht — und echte Freude daran.
Herzlich,
Ms. Zoe